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   Trinitatis in Aeternum

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Beiträge

   Veröffentlicht am [13]Januar 12, 2021Januar 14, 2021

[14]Zwischen den Jahren

   Mit leeren Händen saß ich da.
   Vertan, verloren und verraucht
   war mein Studentenleben.

   Mit leeren Augen schaute ich
   dem Mond ins helle Angesicht;
   sah nur das Schwarz des Alls
   in seinem Schweigen.

   Mit leerer Seele angefüllt,
   trank ich den Becher
   bis zum Grund.

   Allein mit DIR stand ich das durch.
   Kam heraus zu mir und meinen Wurzeln.

   Nur dann und wann, wenn stille steht die Zeit,
   erinnert sich die Pein in mir, dass es sie gab und gibt.

   Sie packt mich dann, ganz unverwandt,
   wirft mich in sich hinein.

   Doch kenn` ich sie,
   und nehm` sie an die Hand,
   führ` sie in den hellen Mondenschein.

   Dort tanzen wir den Nachtwind-Reigen.
   Solange bis der Morgen graut,
   und sie sich satt und müde niederlegt,
   eh` dereinst sie wiederkehrt.

   In stillen, stummen Zeiten.

   Fecit, Dieter Weiser

   Veröffentlicht am [15]November 26, 2020Januar 14, 2021

[16]Glücksversprechen "Achtsamkeit" nebenwirkungsfrei?

   Seit Jahren ist "Achtsamkeit" in aller Munde. Sie ist Mode. Achtsamkeit
   wird der Entspannung wegen betrieben. Für einige birgt sie auch ein
   viel größeres Versprechen: Dass Gelassenheit und innerer Friede einfach
   und mühelos erreichbar wären. Wie eine "Glückspille" ohne Nebenwirkung.
   Setzen Konzerne "Achtsamkeit" als Instrument des Social Engineering
   ein, als eine Form angewandter Sozialwissenschaft, kann dies zur
   Selbst-Entfremdung von Mitarbeiter*innen führen.

   Neun Jahre lang übte ich mich in Achtsamkeit. War tief in sie
   eingetaucht. Hatte sie gelebt und erfahren in buddhistischen und in
   christlichen Zusammenhängen. In der Erwachsenenbildung durfte ich sie
   lehren. Lange Zeit fühlte ich mich eins mit meinem Tun. Zog echten Sinn
   daraus. In diesem Jahr war damit Schluss. Überraschend für mich.

   Anlass und Grund dafür blieben mir einige Monate lang verborgen. Erst
   dieser Tage fiel es mir wie Schuppen von den Augen und ich nahm meine
   Achtsamkeits-Praxis wieder auf.

   Die Gegenwarts-Kultur lebt einen Zwang zum Glück

   Ich hatte im Buch von Pete Walker über die "Posttraumatische
   Belastungsstörung" gelesen und war auf seine Ausführungen über die
   Reaktionszyklen zur Bewältigung der Verlassenheits-Depression gestoßen.
   Pete legt darin überzeugend dar, wie sehr die westliche Kultur von
   einem dysfunktionalen Sollen erfüllt sei, weil sie jeden Ausdruck von
   Traurigkeit pathologisiere. Stimmt, dachte ich. Schon Karen Horney, die
   legendäre deutsche Psychoanalytikerin, bereits 1932 vor den
   heraufziehenden Nazis in die USA geflohen, diagnostizierte für ihr
   neues Heimatland, dass dort eine immense "Tyrannei des Sollens"
   herrsche.

   Seit 2013 ist dies in gewissem Sinne amtlich. Denn 2013 wurde das DSM
   5, das diagnostische und statistische Manual psychischer Störungen der
   Amerikanischen Psychiatrischen Gesellschaft, eingeführt. Seither gilt
   jede Art des Gefühls von Niedergeschlagenheit oder Trauer, das zwei
   Wochen andauert, als psychische Erkrankung.

   Das "Streben nach Glück" sei patriotische Pflicht zumindest in den USA,
   weshalb sich, so Pete Walker, jedes Gefühl von Niedergeschlagenheit
   verbiete. Selbst Trauer, z.B. über den Verlust eines Liebespartners
   oder des Arbeitsplatzes, sei mit sehr starken Tabus belegt. Das
   psychologische Establishment spreche solchen Regungen den Status
   legitimer Gefühle ab.

   Das wars. Jetzt war ich der Ursache meines Unbehagens auf der Spur.

   Wie das?

   Viele Entwicklungen im kulturellen Bereich finden ihren Weg früher oder
   später über den Atlantik. So kam auch die Achtsamkeitswelle zu uns. Und
   auch der Geist des DSM 5.

   Im vergangenen Jahr hatte ich die Gelegenheit, bei einem Großkonzern
   einen Zwei-Tages-Kurs mit dem Titel "Search-Inside-Yourself" zu
   besuchen. Das gleichnamige Achtsamkeits-Programm wurde bei Google von
   Chade-Meng Tan entwickelt und wird seit 2007 dort eingesetzt.
   Inzwischen wird es in einer von Google unabhängigen Stiftung
   fortgeführt.

   Während der zwei Tage sah ich kein Problem in dem dargelegten Konzept.
   Zwar wurde für meinen Geschmack unangemessen viel Aufhebens um
   wissenschaftliche Bestätigungen gemacht, die "Search-Inside-Yourself"
   zu Grunde lägen. Achtsamkeit als Element der Lebensgestaltung ist schon
   mehr als 2000 Jahre alt und bestätigt sich durch die Zeiten hinweg
   immer wieder über die persönliche Erfahrung. Wissenschaft, dieser
   moderne Religionsersatz, ist da im Grunde weder erforderlich noch
   wirklich notwendig.

   Unbehagen entsteht

   Einige Zeit nach diesem Kurs wurde ich eingeladen, in diesem
   Unternehmen Achtsamkeitsübungen durchzuführen. Erst war ich erfreut und
   sagte zu. Zur Eingewöhnung an die Gepflogenheiten, sollte ich zunächst
   Anfang April an einigen Sessions in der Beobachter-Rolle teilnehmen.

   Sehr schnell signalisierte mir mein Inneres ein diffuses, doch
   intensives Unwohlsein. Mir war als wäre keine der Teilnehmenden bereit,
   Gefühle von Stress, von Unklarheit und von Nicht-Wissen zuzulassen.

   Womit ich mich konfrontiert fand, fühlte sich an wie ein Zwang zur
   sofortigen unmittelbaren Entspannung. Negative Gefühle sollten, durften
   nicht sein. Und da sie doch da waren, denn es waren die ersten Wochen
   des Corona-Lockdowns, wurde über die zu leise Stimme der Leiterin oder
   den zu lauten Klang der die Übungszeit einläutenden und beendenden
   Glocke geklagt.

   Mich selbst hatte diese Erfahrungen so sehr irritiert, dass ich mich
   aus dem Pool der Anleitenden streichen ließ. Seither sann ich immer
   wieder über diese Erfahrung nach, ohne sie für mich entschlüsseln zu
   können.

   Erklärungen für mein Unbehagen

   Zunächst hatte ich die Teilnehmenden als undankbar empfunden, weil das
   Unternehmen ja die Leiterin gestellt und die Teilnahme an den
   Achtsamkeits-Sessions während der Arbeitszeit ohne Gegenleistung
   ermöglichte. Erst der Hinweis Pete Walkers auf das dysfunktionale
   Vermeiden jeden Gefühls von Niedergeschlagenheit als ein wichtiges
   Movens der westlichen Kultur wurde mir klar, wodurch mein anhaltendes
   Unbehagen verursacht worden war.

   Achtsamkeitsübungen, in einem Konzern als Werkzeug der mentalen Fitness
   eingesetzt, kann ihre Wirksamkeitsgrundlage verlieren. Die eigenen
   Gefühle und Empfindungen bei Seite schieben und sie ignorieren, um nach
   einer kurzen Pause erfrischt und entspannt, in den Stress des
   Berufsalltags zurückzukehren, kann Achtsamkeit in ein Instrument der
   Dissoziation verwandeln. Sie wirkt damit als Form der Entfremdung von
   sich selbst und poliert das sog. Falsche Selbst, wie die
   Ich-Psychologen sagen. Es ist das Idealbild, das nach Innen und Außen
   die zugelassenen Verhaltens- und Erfahrungsmaßstäbe vorgibt und jede
   Abweichung davon in Grund und Boden kritisiert.

   Dieser Effekt war es, der mich so sehr irritiert hatte. Allen anderen
   meiner Begegnungen mit Achtsamkeit war eine solche Verwendung fremd,
   weil sie außerhalb von Verwertungszwängen stattfanden.

   Achtsamkeit enthält kein Glücksversprechen

   Üben wir Achtsamkeit, wie zu üben sie gedacht ist, nehmen wir
   vorhandenen Kummer und vorhandenen Schmerz zur Kenntnis. Negative
   Gefühle und Empfindungen dürfen sein, weil sie ein Teil des
   unvermeidbaren Leids sind, das wir im Laufe unseres Lebens erfahren.

   Das Üben von Achtsamkeit will helfen, vermeidbares Leid zu vermeiden.
   Zu vermeidbarem Leid zählt auch der Glaube, dass ein Leben ohne
   seelischen Schmerz und ohne negative Gefühle möglich wäre. Zu
   vermeidbarem Leid zählt auch die Anforderung an sich selbst, stets
   gelassen und souverän mit allem Unbill umgehen zu können.

   Die menschliche Welt ist ohne ewige Glückseligkeit

   Ein solch perfektes Leben wäre noch nicht einmal wünschenswert. Denn
   unsere Psyche folgt dualen Prinzipien. Einatmen und Ausatmen, Oben und
   unten, Tag und Nacht, Sonne und Regen, Wärme und Kälte, Frauen und
   Männer, Schreck und Erleichterung. Enttäuschung und Glück. Einen
   Zustand, der sich nicht ändert, empfinden wir als lähmend und auf Dauer
   furchterregend.

   Achtsamkeit enthält deshalb kein Glückversprechen. Und als Glückspille
   genommen, ist sie nicht nebenwirkungsfrei. Denn alle verdrängten
   Gefühle und Empfindungen kommen zurück - mit Macht; sie wollen
   angenommen und beachtet sein, damit sie uns ihren Sinn offenbaren
   können.

   Meine Praxis habe ich wieder aufgenommen und setze mich meinen
   negativen Emotionen aus. Es hilft.

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